Personalbedarfsplanung: Definition, Methoden & externe Arbeitskräfte
Pietro Mattina
- 10 minutes
Die Frage, wie viele Mitarbeitende ein Unternehmen benötigt, lässt sich nicht allein anhand der aktuellen Mitarbeiterzahl beantworten. Entscheidend ist, welche Aufgaben zu welchem Zeitpunkt mit welchen Qualifikationen und Kapazitäten erfüllt werden müssen. Genau hier setzt die Personalbedarfsplanung an.
Eine vorausschauende Personalbedarfsplanung schafft die Grundlage für Recruiting, Personalentwicklung und Personaleinsatzplanung. Gleichzeitig gewinnt die Berücksichtigung externer Arbeitskräfte zunehmend an Bedeutung. Freelancer, Zeitarbeitskräfte, externe Spezialisten und Dienstleister können dabei helfen, Personalengpässe flexibel abzudecken, müssen jedoch ebenso in die strategische Personalplanung einbezogen werden.
Was ist Personalbedarfsplanung?
Die Personalbedarfsplanung bezeichnet die systematische Ermittlung des zukünftigen Personalbedarfs eines Unternehmens. Dabei wird analysiert, wie viele Arbeitskräfte mit welchen Qualifikationen zu welchem Zeitpunkt benötigt werden.
Ziel ist es, den tatsächlichen Personalbedarf mit dem vorhandenen und zukünftig verfügbaren Personalbestand abzugleichen. Dadurch können Personalengpässe frühzeitig erkannt und geeignete Maßnahmen eingeleitet werden.
Eine professionelle Personalbedarfsplanung beantwortet insbesondere vier Fragen:
- Wie viele Arbeitskräfte werden benötigt?
- Welche Qualifikationen und Kompetenzen werden benötigt?
- Wann und für welchen Zeitraum werden diese benötigt?
- Wo werden die benötigten Kapazitäten eingesetzt?
Damit bildet die Personalbedarfsplanung eine wichtige Grundlage für die strategische Personalplanung und verbindet Unternehmensziele mit konkreten Personalmaßnahmen.
Warum ist Personalbedarfsplanung wichtig?
Unternehmen müssen heute zunehmend mit schwankenden Auftragslagen, Fachkräftemangel, Projektgeschäft und sich schnell verändernden Kompetenzanforderungen umgehen.
Eine rein kurzfristige Reaktion auf offene Stellen reicht deshalb häufig nicht aus. Wird erst dann nach Personal gesucht, wenn ein konkreter Engpass bereits eingetreten ist, können sich Besetzungszeiten verlängern und operative Ziele gefährdet werden.
Eine strukturierte Personalbedarfsplanung ermöglicht dagegen eine vorausschauende Steuerung.
Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:
- Vermeidung von Personalengpässen
- bessere Auslastung vorhandener Ressourcen
- frühzeitige Planung von Neueinstellungen
- gezielter Einsatz von Weiterbildungsmaßnahmen
- bessere Kontrolle der Personalkosten
- schnellere Reaktion auf Auftragsspitzen
- strategische Planung benötigter Qualifikationen
Dabei sollte nicht ausschließlich die Zahl der Beschäftigten betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr die tatsächlich verfügbare Arbeitskapazität und die Frage, welche Kompetenzen für die zukünftige Leistungserbringung erforderlich sind. Auch Vollzeitäquivalente (VZÄ) können deshalb eine bessere Planungsgrundlage als ein reiner Headcount darstellen.
Quantitative und qualitative Personalbedarfsplanung
Bei der Personalbedarfsplanung wird grundsätzlich zwischen der quantitativen und der qualitativen Personalbedarfsplanung unterschieden.
Quantitative Personalbedarfsplanung
Die quantitative Personalbedarfsplanung beantwortet die Frage: Wie viele Arbeitskräfte werden benötigt?
Dabei wird der erwartete Arbeitskräftebedarf dem vorhandenen und zukünftig verfügbaren Personalbestand gegenübergestellt.
Beispielsweise kann ein Unternehmen aufgrund eines steigenden Auftragsvolumens künftig 150 Vollzeitäquivalente benötigen. Wenn nach Berücksichtigung geplanter Zu- und Abgänge nur 135 Vollzeitäquivalente zur Verfügung stehen, entsteht ein zusätzlicher Personalbedarf.
Qualitative Personalbedarfsplanung
Die qualitative Personalbedarfsplanung beschäftigt sich dagegen mit der Frage: Welche Qualifikationen und Kompetenzen werden benötigt?
Eine steigende Mitarbeiterzahl allein löst noch keinen Kompetenzengpass. Benötigt ein Unternehmen beispielsweise zusätzliche Spezialisten für Cloud-Infrastruktur, können zusätzliche Mitarbeitende ohne entsprechende Qualifikation den tatsächlichen Bedarf nicht decken.
Die qualitative Planung betrachtet deshalb unter anderem:
- Fachkenntnisse
- Berufserfahrung
- technische Kompetenzen
- Führungsqualifikationen
- Zertifizierungen
- zukünftige Kompetenzanforderungen
Beide Dimensionen sollten gemeinsam betrachtet werden. Ein Unternehmen kann quantitativ ausreichend Personal beschäftigen und gleichzeitig einen erheblichen qualitativen Fachkräfteengpass aufweisen.
Brutto- und Nettopersonalbedarf einfach erklärt
Ein zentraler Bestandteil der Personalbedarfsplanung ist die Unterscheidung zwischen Bruttopersonalbedarf und Nettopersonalbedarf.
Was ist der Bruttopersonalbedarf?
Der Bruttopersonalbedarf beschreibt, wie viele Arbeitskräfte insgesamt benötigt werden, um den geplanten Leistungsumfang abzudecken.
Dabei können neben dem eigentlichen Einsatzbedarf beispielsweise auch Reservebedarfe für planbare oder erwartbare Ausfälle berücksichtigt werden.
Was ist der Nettopersonalbedarf?
Der Nettopersonalbedarf entsteht durch den Abgleich zwischen dem zukünftigen Personalbedarf und dem voraussichtlich verfügbaren Personalbestand.
Vereinfacht lässt sich die Berechnung darstellen als:
Nettopersonalbedarf = Bruttopersonalbedarf – zukünftiger Personalbestand
Bei einer detaillierteren Betrachtung werden geplante Zu- und Abgänge berücksichtigt.
Beispiel:
Ein Unternehmen benötigt im kommenden Jahr insgesamt 220 Vollzeitäquivalente. Nach Berücksichtigung von bestehenden Mitarbeitenden, geplanten Neueinstellungen und erwarteten Abgängen stehen voraussichtlich 195 Vollzeitäquivalente zur Verfügung.
Damit ergibt sich ein zusätzlicher Personalbedarf von:
220 – 195 = 25 Vollzeitäquivalente
Dieser Bedarf muss anschließend durch geeignete Maßnahmen gedeckt werden.
Personalbedarfsplanung mit externen Arbeitskräften
Ein zunehmend wichtiger Aspekt moderner Personalbedarfsplanung ist die Berücksichtigung von externen Arbeitskräften.
Klassische Personalplanung konzentriert sich häufig auf festangestellte Mitarbeitende. In vielen Unternehmen entsteht der tatsächliche Personalbedarf jedoch aus einer Mischung verschiedener Beschäftigungsformen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Festangestellte
- Zeitarbeitskräfte
- Freelancer
- externe IT-Spezialisten
- Unternehmensberater
- externe Projektmitarbeitende
- Mitarbeitende von Dienstleistern
Wer ausschließlich den internen Headcount betrachtet, erhält deshalb möglicherweise kein vollständiges Bild der tatsächlich verfügbaren Arbeitskapazität.
Gerade bei projektbezogenen oder stark schwankenden Arbeitsvolumina können externe Ressourcen eine wichtige Ergänzung darstellen.
Wann lohnt sich der Einsatz externer Arbeitskräfte?
Externe Arbeitskräfte können insbesondere dann sinnvoll sein, wenn der Personalbedarf zeitlich begrenzt oder schwer vorhersehbar ist.
Typische Situationen sind:
Projektspitzen: Für ein zeitlich begrenztes Projekt werden zusätzliche Spezialisten benötigt.
Saisonale Schwankungen: Der Personalbedarf steigt für einen bestimmten Zeitraum deutlich an.
Fehlende Spezialqualifikationen: Bestimmtes Know-how ist intern nicht vorhanden und müsste zunächst aufgebaut werden.
Kurzfristige Engpässe: Offene Stellen können aufgrund des Fachkräftemangels nicht schnell genug besetzt werden.
Transformation und Digitalisierung: Für neue Technologien oder Transformationsprojekte werden zeitweise externe Spezialisten benötigt.
Damit wird externe Workforce nicht zum Ersatz für strategische Personalplanung, sondern zu einem zusätzlichen Instrument innerhalb einer ganzheitlichen Personalstrategie.
EMS unterstützt Unternehmen dabei, den gesamten Einsatz externer Arbeitskräfte – von Dienstverträgen über Projektaufträge bis hin zur Arbeitnehmerüberlassung – strukturiert und rechtssicher zu organisieren.
Die Herausforderung: Externe Arbeitskräfte richtig planen und steuern
Die Einbindung externer Arbeitskräfte kann die notwendige Flexibilität schaffen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Anforderungen an das Workforce Management.
Unternehmen müssen beispielsweise wissen:
- Welche externen Personen sind aktuell im Einsatz?
- Für welchen Zeitraum werden sie benötigt?
- Welchem Projekt oder Fachbereich sind sie zugeordnet?
- Über welchen Dienstleister werden sie eingesetzt?
- Welche Qualifikationen bringen sie mit?
- Welche Verträge und Compliance-Dokumente liegen vor?
- Wann laufen Einsätze und Zugriffsberechtigungen aus?
Ohne zentrale Datenbasis entstehen schnell dezentrale Excel-Listen, E-Mail-Abstimmungen und manuelle Freigabeprozesse.
Das erschwert nicht nur die Personalbedarfsplanung, sondern kann auch zu unnötigen Kosten und Compliance-Risiken führen.
Um größere Mengen an externem Personal rechtssicher, transparent und effizient zu steuern, empfiehlt die Zusammenarbeit mit einem Managed Service Provider (MSP) sowie der einsatz eines strukturieren Supplier Managements.
Personalbedarfsplanung und Contingent Workforce Management
An dieser Stelle verbindet sich klassische Personalplanung mit modernem Contingent Workforce Management.
Während die Personalbedarfsplanung den zukünftigen Bedarf identifiziert, sorgt das Contingent Workforce Management für die strukturierte Steuerung der tatsächlich eingesetzten externen Arbeitskräfte.
Dadurch kann beispielsweise nachvollzogen werden, welche externen Kapazitäten bereits vorhanden sind und wo zusätzlicher Bedarf entsteht.
Ein Unternehmen benötigt beispielsweise kurzfristig zehn zusätzliche IT-Spezialisten. Statt ausschließlich neue Festanstellungen zu planen, kann zunächst geprüft werden, ob bereits geeignete externe Ressourcen im Unternehmen vorhanden sind oder über bestehende Dienstleister verfügbar gemacht werden können.
So entsteht eine ganzheitlichere Perspektive auf den tatsächlichen Workforce-Bedarf.
Personalbedarfsplanung digitalisieren
Je größer und komplexer die Belegschaft wird, desto schwieriger wird eine manuelle Personalbedarfsplanung.
Besonders bei Unternehmen mit vielen externen Mitarbeitenden entstehen große Datenmengen: Verträge, Einsatzzeiten, Qualifikationen, Lieferanten, Projekte, Kostenstellen und Compliance-Nachweise müssen miteinander verbunden werden.
Eine digitale Workforce-Management-Lösung schafft hier eine zentrale Datenbasis.
Mit Systeme wie MAVES können Unternehmen interne und externe Workforce-Prozesse strukturiert abbilden und relevante Informationen zentral verwalten. Dadurch lassen sich Bedarfe, Einsätze und verfügbare Ressourcen transparenter darstellen.
Auch die Anbindung bestehender Systeme kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Durch Integrationen beispielsweise in SAP-basierte Umgebungen lassen sich relevante Informationen über Systemgrenzen hinweg zusammenführen.
Personalbedarfsplanung digitalisieren
Eine belastbare Personalbedarfsplanung sollte regelmäßig überprüft und an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden.
Folgende Grundsätze haben sich dabei bewährt:
1. Geschäftsplanung und Personalplanung verbinden
Der Personalbedarf sollte aus den strategischen und operativen Unternehmenszielen abgeleitet werden.
2. Quantität und Qualität gemeinsam betrachten
Die reine Anzahl der Mitarbeitenden reicht nicht aus. Entscheidend sind auch die benötigten Kompetenzen.
3. Interne und externe Kapazitäten berücksichtigen
Festangestellte, Freelancer, Zeitarbeitskräfte und externe Dienstleister sollten nicht vollständig isoliert voneinander geplant werden.
4. Mit Szenarien arbeiten
Neben einer Basisplanung können beispielsweise Wachstums-, Stagnations- und Krisenszenarien betrachtet werden.
5. Daten regelmäßig aktualisieren
Personalbedarfsplanung ist kein einmaliger Jahresprozess. Veränderungen bei Auftragsvolumen, Fluktuation, Projekten oder Qualifikationsanforderungen sollten laufend berücksichtigt werden.
6. Workforce-Daten zentralisieren
Eine zentrale Datenbasis verbessert Transparenz und schafft die Grundlage für eine datenbasierte Steuerung von Personal und externen Ressourcen.
Fazit: Personalbedarf strategisch statt reaktiv planen
Eine professionelle Personalbedarfsplanung schafft die Grundlage dafür, dass Unternehmen zur richtigen Zeit über die benötigten Kapazitäten und Qualifikationen verfügen.
Dabei sollte die Planung nicht ausschließlich auf Festangestellte beschränkt werden. Gerade bei schwankendem Personalbedarf, Projektgeschäft und Fachkräftemangel können externe Arbeitskräfte eine wichtige Ergänzung darstellen.
Der entscheidende Schritt besteht darin, interne und externe Ressourcen gemeinsam zu betrachten und auf Basis belastbarer Daten zu entscheiden, wie ein konkreter Personalbedarf am effizientesten gedeckt werden kann.
Je komplexer die Workforce wird, desto wichtiger werden digitale Prozesse, zentrale Daten und eine transparente Steuerung. Workforce-Management-Lösungen wie MAVES können dabei unterstützen, interne und externe Ressourcen strukturiert zu verwalten und Personalplanung mit operativem Workforce Management zu verbinden.
FAQ zur Personalbedarfsplanung
Was ist Personalbedarfsplanung einfach erklärt?
Personalbedarfsplanung bezeichnet die systematische Ermittlung, wie viele Arbeitskräfte mit welchen Qualifikationen ein Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt. Sie bildet die Grundlage für Personalbeschaffung, Personalentwicklung und Personaleinsatzplanung.
Wie wird der Personalbedarf berechnet?
Eine vereinfachte Berechnung erfolgt über den Abgleich des Bruttopersonalbedarfs mit dem zukünftig verfügbaren Personalbestand. Dabei sollten geplante Zu- und Abgänge sowie gegebenenfalls Reserve- und Zusatzbedarfe berücksichtigt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettopersonalbedarf?
Der Bruttopersonalbedarf beschreibt den gesamten Personalbedarf eines Unternehmens. Der Nettopersonalbedarf ergibt sich aus dem Abgleich dieses Bedarfs mit dem voraussichtlich verfügbaren Personalbestand und zeigt, ob zusätzliche Kapazitäten benötigt werden.
Welche Rolle spielen externe Mitarbeiter bei der Personalbedarfsplanung?
Externe Mitarbeiter können einen Teil des Personalbedarfs flexibel abdecken. Dazu gehören beispielsweise Freelancer, Zeitarbeitskräfte und externe Spezialisten. Sie sollten insbesondere bei projektbezogenen, saisonalen oder kurzfristigen Personalbedarfen in die Planung einbezogen werden.
Warum sollte externes Personal in die Personalbedarfsplanung einbezogen werden?
Eine ausschließliche Betrachtung der Festangestellten bildet die tatsächlich verfügbare Workforce eines Unternehmens nicht vollständig ab. Werden externe Ressourcen ebenfalls berücksichtigt, können Kapazitäten besser geplant, vorhandene Ressourcen effizienter genutzt und zusätzliche Personalbedarfe gezielter gedeckt werden.
Wie lässt sich Personalbedarfsplanung digitalisieren?
Digitale Workforce-Management-Systeme können relevante Daten zu Mitarbeitenden, externen Ressourcen, Einsätzen, Qualifikationen, Verträgen und Kosten zentral zusammenführen. Dadurch werden Personalbedarfe transparenter und Planungsprozesse effizienter.
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Christian Ratte-Polle
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