Wie ein Managed Service Provider externe Mitarbeiter steuert

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Pietro Mattina

Viele Unternehmen arbeiten mit externen Mitarbeitern, etwa über Personaldienstleister, als Freelancer oder im Rahmen von Dienst- und Werkverträgen. Mit steigender Anzahl externer Arbeitskräfte wächst jedoch auch der organisatorische Aufwand.

Wer meldet einen Bedarf? Welcher Lieferant wird angefragt? Sind die Vertragsbedingungen korrekt? Wann läuft ein Einsatz aus? Welche Kosten entstehen tatsächlich? Und wer hat überhaupt den Überblick darüber, wie viele externe Mitarbeiter aktuell im Unternehmen tätig sind?

Genau hier beginnt die zentrale Steuerung durch einen Managed Service Provider (MSP).

Dabei geht es nicht darum, jeden einzelnen externen Mitarbeiter „zu verwalten“. Entscheidend ist vielmehr, den gesamten Prozess rund um die externe Workforce zu strukturieren und zentral zu steuern.

Von der Bedarfsmeldung bis zum Offboarding: So läuft die Steuerung ab

Ein professionell gesteuerter Prozess besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Schritten:

1. Bedarf für einen externen Mitarbeiter melden

Am Anfang steht immer der konkrete Personalbedarf eines Fachbereichs. 

Statt einen Personaldienstleister direkt zu kontaktieren, wird der Bedarf zunächst strukturiert erfasst. Dazu gehören beispielsweise: 

  • benötigte Qualifikation und Tätigkeit 
  • Einsatzort 
  • gewünschter Starttermin 
  • geplante Einsatzdauer 
  • Arbeitszeit 
  • Kostenstelle oder Budget 
  • benötigte Anzahl an Arbeitskräften 
  • gewünschtes Vertrags- bzw. Einsatzmodell 

Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Nicht jeder externe Bedarf sollte auf dieselbe Weise besetzt werden. Je nach Tätigkeit und Ausgestaltung kann beispielsweise Arbeitnehmerüberlassung, ein Freelancer-Modell oder ein projektbezogener Dienstleistungsauftrag infrage kommen.

Die strukturierte Bedarfsmeldung schafft deshalb bereits am Anfang eine wichtige Grundlage für die weitere Steuerung.

2. Bedarf prüfen und freigeben

Bevor ein Bedarf an Lieferanten weitergegeben wird, kann geprüft werden, ob er fachlich, wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll ist.

Dabei können beispielsweise folgende Fragen eine Rolle spielen:

  • Ist das Budget vorhanden?
  • Wird tatsächlich eine externe Arbeitskraft benötigt?
  • Welches Einsatzmodell ist geeignet?
  • Sind interne Freigaben erforderlich?
  • Gibt es bereits geeignete externe Ressourcen?
  • Sind besondere Compliance-Anforderungen zu berücksichtigen?

Ein zentraler Prozess verhindert damit, dass jeder Fachbereich eigene Abläufe entwickelt und externe Arbeitskräfte ohne einheitliche Prüfung beauftragt werden.

3. Geeignete Lieferanten auswählen

Ist der Bedarf freigegeben, wird er an passende Lieferanten übermittelt.

Dabei muss nicht zwangsläufig jeder Lieferant jede Anfrage erhalten. Die Auswahl kann beispielsweise anhand von Qualifikation, Verfügbarkeit, Standort, bisherigen Leistungen, Kosten oder Spezialisierung erfolgen.

Der Vorteil einer zentralen Steuerung: Lieferanten werden nicht nur danach ausgewählt, wer gerade vom Fachbereich kontaktiert wurde. Stattdessen lässt sich der bestehende Lieferantenpool systematisch nutzen und anhand objektiver Kriterien steuern.

Mehr dazu, wie Lieferanten ausgewählt, bewertet und gesteuert werden können, erfahren Sie im Bereich Supplier Management.

4. Kandidaten vergleichen und auswählen

Nach der Anfrage liefern die Personaldienstleister oder anderen Anbieter passende Profile.

Auch hier schafft ein zentraler Prozess Vergleichbarkeit. Kandidaten können nach einheitlichen Kriterien erfasst und dem zuständigen Fachbereich zur Auswahl vorgelegt werden.

Die fachliche Entscheidung bleibt dabei in der Regel beim jeweiligen Fachbereich. Der MSP koordiniert den Prozess und sorgt beispielsweise dafür, dass:

  • Profile zentral eingehen,
  • Rückmeldungen strukturiert erfasst werden,
  • Auswahlprozesse nachvollziehbar bleiben,
  • Lieferanten dieselben Informationen erhalten,
    und unnötige
  • Verzögerungen vermieden werden.

So wird aus vielen einzelnen Lieferantenkontakten ein nachvollziehbarer Besetzungsprozess.

5. Vertrag und Compliance prüfen

Vor dem Einsatz müssen die vertraglichen und rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Das ist insbesondere bei Arbeitnehmerüberlassung relevant. Hier gelten unter anderem Anforderungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG). Gleichzeitig muss bei Freelancern sowie Dienst- und Werkverträgen darauf geachtet werden, dass Vertragsmodell und tatsächliche Durchführung zusammenpassen.

Die Prüfung sollte deshalb nicht erst stattfinden, wenn ein Problem aufgetreten ist. Sie gehört vor den Einsatz und in den laufenden Prozess.

Je nach Einsatzmodell können beispielsweise geprüft und dokumentiert werden:

  • Vertragsart und Vertragsbedingungen
  • erforderliche Nachweise
  • Einsatzdauer und relevante Fristen
  • gesetzliche Anforderungen
  • Freigaben
  • Änderungen während des Einsatzes

Eine Besonderheit des AÜG: Für die rechtliche Einordnung ist nicht allein entscheidend, was im Vertrag steht. Weichen Vereinbarung und tatsächliche Durchführung voneinander ab, kann die tatsächliche Durchführung maßgeblich sein.

Genau deshalb ist die laufende Steuerung des Einsatzes ebenso wichtig wie die anfängliche Vertragsprüfung.

6. Onboarding des externen Mitarbeiters

Ist der Einsatz freigegeben, beginnt das Onboarding.

Auch hier gibt es zahlreiche Schnittstellen: Der externe Mitarbeiter benötigt möglicherweise Zugänge, Informationen zum Arbeitsplatz, Sicherheitsunterweisungen, Ansprechpartner oder eine Zeiterfassung.

Ein zentraler Prozess stellt sicher, dass diese Schritte nicht von einzelnen Personen oder Abteilungen unterschiedlich gehandhabt werden.

Typische Informationen sind beispielsweise:

  • Startdatum und Einsatzort
  • zuständiger Fachbereich
  • Ansprechpartner
  • Lieferant
  • Vertrags- und Einsatzdaten
  • notwendige Dokumente
  • Zugänge und Berechtigungen
  • Zeiterfassung
  • erforderliche Unterweisungen

Damit ist der externe Mitarbeiter nicht einfach „eingestellt“, sondern sauber in den vorgesehenen Prozess überführt.

7. Einsatz laufend steuern

Die eigentliche Herausforderung beginnt häufig erst nach dem Start.

Denn während eines Einsatzes können sich viele Dinge verändern: Der Einsatz wird verlängert, der Stundenumfang ändert sich, der Mitarbeiter wechselt den Einsatzort oder der Bedarf des Fachbereichs verändert sich.

Eine zentrale Steuerung schafft einen Überblick darüber, wer für welchen Lieferanten, in welchem Bereich, an welchem Standort, zu welchen Konditionen und für welchen Zeitraum eingesetzt wird.

Dabei geht es nicht darum, die arbeitsrechtliche Rolle des Arbeitgebers zu übernehmen. Ein MSP steuert den Prozess und die beteiligten Parteien. Bei Arbeitnehmerüberlassung bleibt der externe Mitarbeiter beispielsweise beim Personaldienstleister angestellt.

Entscheidend ist die Transparenz über die gesamte externe Workforce.

8. Verlängerungen und Offboarding rechtzeitig steuern

Viele Risiken entstehen nicht beim Start eines Einsatzes, sondern am Ende.

Läuft ein Vertrag aus? Wird der Einsatz verlängert? Muss eine erneute Prüfung erfolgen? Oder endet der Bedarf?

Diese Entscheidungen sollten nicht erst wenige Tage vor dem geplanten Ende getroffen werden.

Ein zentraler Prozess kann frühzeitig auf bevorstehende Endtermine hinweisen und beispielsweise eine Entscheidung zur Verlängerung anstoßen.

9. Rechnungen und Kosten kontrollieren

Das Ende eines Einsatzes ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende der finanziellen Steuerung.

Zeiten, vereinbarte Stundensätze, Zuschläge und weitere Abrechnungsbestandteile müssen mit den vereinbarten Konditionen übereinstimmen.

Eine zentrale Steuerung, auch Lohnaudit genannt, ermöglicht beispielsweise den Abgleich von:

beauftragter Leistung → erfasster Zeit → vereinbartem Preis → eingegangener Rechnung

Abweichungen lassen sich dadurch schneller erkennen und klären.

Gleichzeitig entsteht erstmals ein konsistenter Überblick über die tatsächlichen Kosten der externen Workforce.

10. Daten auswerten und Prozesse verbessern

Aus den einzelnen Vorgängen entstehen wertvolle Daten.

Unternehmen können beispielsweise analysieren:

  • Wie lange dauert es von der Anfrage bis zur Besetzung?
  • Welche Lieferanten liefern besonders schnell?
  • Welche Anbieter haben die höchste Besetzungsquote?
  • Wie hoch sind die Kosten pro Einsatz?
  • Wie viele externe Mitarbeiter sind aktuell im Unternehmen tätig?
  • Wie viele Einsätze laufen bald aus?
  • Wie häufig werden Einsätze verlängert?
  • Wo entstehen Verzögerungen im Prozess?

Damit wird die Steuerung externer Mitarbeiter von einer rein administrativen Aufgabe zu einem kontinuierlichen Optimierungsprozess.

Wer steuert welchen Teil des Prozesses?

Eine zentrale Steuerung bedeutet nicht, dass eine einzige Stelle sämtliche Entscheidungen übernimmt.

Vielmehr werden Verantwortlichkeiten klar voneinander getrennt:

Beteiligter Typische Verantwortung
Fachbereich
Bedarf, fachliche Anforderungen und Auswahl
HR
Workforce- und Personalprozesse, Richtlinien und Governance
Einkauf
Lieferanten, Konditionen und Verhandlungen
MSP
Prozesssteuerung, Koordination, Lieferantenkommunikation und Transparenz
VMS
Digitale Abbildung, Workflows, Daten und Dokumentation

Der MSP fungiert damit als zentrale Schnittstelle zwischen den Beteiligten. Das Ziel ist nicht, Entscheidungen zu zentralisieren, die sinnvollerweise im Fachbereich oder Einkauf getroffen werden. Ziel ist, den Prozess dazwischen zu standardisieren und steuerbar zu machen.

Welche Rolle spielt ein VMS bei der Steuerung?

Bei einer größeren externen Workforce reicht eine manuelle Steuerung über E-Mails, Excel-Listen und einzelne Systeme schnell nicht mehr aus.

Ein Vendor Management System (VMS) kann den Prozess von der Bedarfsmeldung über Lieferantenanfragen und Kandidatenmanagement bis hin zu Vertragsdaten, Einsatzverwaltung, Zeit- und Rechnungsprozessen digital abbilden.

Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die Software allein. Ein VMS schafft vor allem einen gemeinsamen Daten- und Prozessstand für alle Beteiligten. So kann beispielsweise jederzeit nachvollziehbar sein, welcher externe Mitarbeiter eingesetzt wird, welcher Lieferant dahintersteht, wann der Einsatz endet und welche Kosten damit verbunden sind.

EMS integriert und implementiert hierfür unter anderem Lösungen wie SAP Fieldglass oder MAVES.

Wann lohnt sich eine zentrale Steuerung externer Mitarbeiter?

Ein MSP-Prozess kann besonders interessant werden, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:

  • mehrere Personaldienstleister oder andere externe Lieferanten
  • eine größere Anzahl externer Arbeitskräfte
  • unterschiedliche Vertrags- und Einsatzmodelle
  • mehrere Standorte oder Länder
  • hoher administrativer Aufwand
  • komplexe Compliance-Anforderungen
  • fehlende Transparenz über Kosten und externe Workforce
  • stark unterschiedliche Prozesse zwischen Fachbereichen
  • regelmäßige Verlängerungen und Wechsel

Dabei gibt es keinen festen Schwellenwert, ab dem ein MSP zwingend erforderlich ist.

Je komplexer das externe Workforce-Ökosystem wird, desto größer wird jedoch der Nutzen einer zentralen Prozesssteuerung.

Fazit: Externe Mitarbeiter werden über Prozesse steuerbar

Externe Workforce zu steuern bedeutet weit mehr als die Vermittlung einzelner Mitarbeiter.

Entscheidend ist der gesamte Prozess: Bedarf erfassen, Lieferanten auswählen, Kandidaten besetzen, Verträge prüfen, Einsätze begleiten, Fristen überwachen, Kosten kontrollieren und Einsätze sauber beenden.

Ein Managed Service Provider schafft dafür einen zentralen Rahmen und verbindet Fachbereiche, HR, Einkauf, Lieferanten und Technologie.

So entsteht aus vielen einzelnen externen Einsätzen ein steuerbares Workforce-System mit klaren Prozessen, Verantwortlichkeiten und Daten.

Häufige Fragen

Was passiert mit einem externen Mitarbeiter nach der Bedarfsmeldung?

Der Bedarf wird zunächst geprüft und freigegeben. Anschließend werden geeignete Lieferanten angefragt, Kandidaten eingereicht und der passende Kandidat ausgewählt. Vor dem Start folgen Vertrags-, Compliance- und Onboarding-Prozesse.

Wer entscheidet, welcher externe Mitarbeiter eingesetzt wird?

Die fachliche Auswahl liegt grundsätzlich beim zuständigen Fachbereich. Der MSP koordiniert den Prozess, stellt Vergleichbarkeit her und steuert die Kommunikation mit den beteiligten Lieferanten.

Können bestehende Personaldienstleister in einen MSP-Prozess integriert werden?

Ja. Ein MSP bedeutet nicht automatisch, bestehende Lieferanten auszutauschen. Bestehende Partner können in einen zentralen Lieferanten- und Steuerungsprozess integriert und anhand einheitlicher Kriterien bewertet werden.

Wie werden Verlängerungen externer Einsätze gesteuert?

Einsatz- und Vertragsdaten werden zentral erfasst. Bevor ein Einsatz endet, kann eine Verlängerung geprüft, freigegeben und – sofern erforderlich – erneut hinsichtlich der geltenden Rahmenbedingungen bewertet werden.

Kann ein MSP auch Freelancer und Dienstleister steuern?

Ja. Die zentrale Prozesssteuerung kann neben Arbeitnehmerüberlassung auch weitere Formen externer Workforce umfassen, beispielsweise Freelancer sowie Dienst- und Werkverträge. Entscheidend ist dabei, die unterschiedlichen rechtlichen und organisatorischen Anforderungen der jeweiligen Einsatzmodelle zu berücksichtigen.

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Christian Ratte-Polle von EMS

Christian Ratte-Polle

Head of Managed Services

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